Meine drei Wünsche an das Christkind dieses Jahr: Mehr Toleranz, mehr Eigenverantwortung und weniger Regeln im Straßenverkehr.
Ziemlich zu Anfang des zweimonatigen Elektro-Radltests von Wienenergie haben sich die Radwege noch sehr gut vor mir versteckt. Und wenn ich sie nicht auf Anhieb fand, dann fuhr ich damals einfach irgendwie, auch durch den Stadtpark. Bei der Meierei standen Autos, also dachte ich, Radfahren ist da drinnen sicher auch erlaubt. Denkste, beim Interconti hat mich dann ein von der Stadt Wien engangierter Security Mann (zugegeben) freundlich darauf hin gewiesen, dass das Radfahren im Stadtpark verboten ist. Der Mann macht nur seine Arbeit, aber: ist das notwendig?
Heute fuhr ich den Rennweg stadtauswärts in’s Büro und treffe die Kollegin Patrizia T., die ganz tapfer (ohne Elektrohilfe) vom Fünfzehnten in’s Büro strampelt. Aus ein bisschen Furcht vor den AutofahrerInnen fuhr sie auf dem fast leeren Gehsteig. Ein Mann in Anzug und Krawatte, den sie in keiner Form behinderte oder gefährdete, drohte ihr mit eindeutiger Geste eine Ohrfeige an. Geht’s noch? Eine Verwaltungsübertretung mit einer Tätlichkeit vergelten? Und überhaupt: manchmal habe ich das Gefühl, dass es in Wien mehr selbsternannte Hilfssheriffs gibt als die DDR informelle Stasi-MitarbeiterInnen hatte.
Gestern fuhr ich mit dem Radl auf vorbildlichen Wegen durch den Zweiten. Die Fahrradstreifen waren farblich abgehoben und auch eine Spur unter dem Gehsteigniveau, alle zwanzig Meter war ein Fahrradwegzeichen aufgemalt. Trotzdem schlenderten so manche FußgängerInnen auf dem Radweg, einmal durfte ich auch eine Vollbremsung vor einer Flexi-Leine hinlegen, weil der Köter, der daran hing, plötzlich über den Radweg lief und die Besitzerin auf dem Gehsteig stehen blieb und tatenlos zusah.
Und was mache ich – ich rege mich auf (innerlich, Fußgänger schimpfen ist mir zum Glück zu peinlich). Also bin ich auch nicht besser als die FußgängerInnen, die sich über das Radln auf dem Gehsteig aufregen.
Im Mai waren wir in Italien auf Urlaub – wir ließen das Auto immer bei den Unterkünften stehen und waren nur mit den Rädern unterwegs. Gehsteig, gegen die Einbahn, auf der Promenade, mitten auf der Hauptstraße, mit einer Sechsjährigen und einem Vierjährigen auf ihren eigenen Rädern – alles kein Problem. Keiner nimmt’s mit den Regeln allzu genau, alle passen daher mehr auf und nehmen ein bisschen Rücksicht auf einander. Niemand versucht total bescheuert, die anderen VerkehrsteilnehmerInnen zu irgendetwas zu erziehen und alle sind entspannt.
Also: Shared Space heißt die Zukunft, weg mit den Verkehrsschildern, weg mit den Ampeln, Aufheben der Verkehrsregeln. Dadurch wird gegenseitige Rücksichtnahme zur Pflicht. In Deutschland gibt’s erste Testregionen, die Ergebnisse sind vielversprechend (http://www.zeit.de/auto/2010-06/shared-space).